Was tun mit den alten Fotokisten? Ein neuer Umgang mit alten Fotos
Der Karton steht meist auf einem Dachboden oder im untersten Regalfach eines Schranks. Hunderte Abzüge, lose oder in Alben, aus denen sich einzelne Fotos schon gelöst haben. Manche mit Datum auf der Rückseite, die meisten ohne. Wer ihn öffnet, weiß oft nicht, wo er anfangen soll – und lässt ihn deshalb wieder zu.
Ein guter erster Schritt ist, gar nicht chronologisch vorzugehen, sondern nach Personen zu sortieren. Ein Stapel für die Großeltern, einer für Kindheitsfotos der Eltern, einer für Fotos, bei denen niemand mehr sicher weiß, wer eigentlich abgebildet ist. Gerade dieser letzte Stapel ist der dringendste: Solange noch jemand lebt, der die Gesichter erkennt, lohnt es sich, genau diese Fotos zuerst zu klären.
Datierung gelingt oft über Umwege. Die Kleidung, ein Auto im Hintergrund, die Handschrift auf der Rückseite, ein Kalenderblatt, das zufällig mit im Bild ist – solche Details lassen sich meist grob einer Dekade zuordnen, manchmal sogar einem Jahr. Es muss nicht exakt sein. Schon die Angabe "vermutlich Ende der 1960er, vor dem Umzug nach Hamburg" ist für spätere Generationen unendlich viel wertvoller als gar keine Einordnung.
Digitalisieren lohnt sich vor allem für die Fotos, die als einziges Exemplar existieren. Ein einfaches Foto mit dem Smartphone auf einer neutralen Unterlage, bei gutem, indirektem Licht, reicht für die meisten Zwecke völlig aus – professionelle Scans sind schön, aber selten notwendig, um ein Bild vor dem endgültigen Verblassen zu retten.
Der wichtigste Schritt ist oft der am meisten übersehene: die Fotos gemeinsam mit noch lebenden Angehörigen durchzugehen und aufzuschreiben, was sie erzählen. Nicht nur "das ist Tante Grete", sondern der ganze Nebensatz, der meist folgt – wo das Foto entstand, warum, was an dem Tag noch passierte. Genau dieser Kontext ist es, der aus einem Stapel loser Bilder wieder eine Geschichte macht, die sich weitergeben lässt.